Paketbote vor Weltkarte - Amazon und die Corona-Krise

Reich Dank Corona – die Gewinner

Wie Amazon die Krise zum eigenen Vorteil nutzt

Für viele Unternehmen ist die aktuelle Situation ein Desaster. Zwangsschließungen, Umsatzeinbrüche und Entlassungen sind schon jetzt Realität. Es drohen Pleitewellen in nie gekanntem Ausmaß. Die Regierungen der Welt versuchen, dagegen zu steuern und stellen massive Hilfspakete im Kampf gegen die Auswirkungen durch Corona zusammen. Ob diese ausreichen und für wie lange sie Abhilfe schaffen, können selbst die optimistischsten Ökonomen nicht vorhersagen.

Der große Gewinner

Doch wie bei jeder Krise gibt es nicht nur Verlierer. Für Amazon ist die aktuelle Situation eine Goldgrube. Die Umsätze des Unternehmens gehen durch die Decke. Die Börse reagierte darauf wie so oft als erstes. Wo andere Werte in den Keller gingen (Apple beispielsweise hat ca. 30 Prozents seines Kurses einbüßen müssen) konnte Amazon zulegen. Das größte Problem des US-Konzerns: zu wenig Kapazitäten. 100.000 neue Mitarbeiter weltweit sollen dabei helfen, diesen Engpass zu überwinden.

Diese Maßnahme scheint allerdings noch nicht zu greifen oder bei Weitem nicht auszureichen. So hat Amazon bereits angekündigt, das es zu Verzögerungen in der Lieferung kommen kann. Produkte, die in der Krise wichtig sind, werden priorisiert. Lebensmittel beispielsweise, aber auch medizinische Artikel oder solche, die für das Arbeiten im Homeoffice gebraucht werden, zählen dazu. Die Nachfrage ist hoch. Weitere Gewinnsprünge sind also zu erwarten. Erst, wenn die Lieferketten nicht mehr funktionieren, weil die Produktion durch das Virus nachlässt, wird es Probleme geben.

Doch Amazon hat noch ein Ass im Ärmel. Sogar zwei, um genau zu sein. Denn der Verkauf ist nur ein Standbein des Konzerns. Die zweite wichtige Säule sind die umfangreichen Clouddienste der Amazon Web Services (AWS). Bei zahlreichen Unternehmen, von Siemens über Arvato bis zu SAP, läuft der Datenaustausch über die Server der US-Firma. Homeoffice sei Dank, sind weitere Lösungen für digitales Arbeiten nötig und nachgefragt wie nie.

Und auch Prime Video entwickelt sich bestens, ebenso wie Amazon Musik und Tochterfirma Audibel. Denn Menschen, die zu Hause sitzen, beschäftigen sich mehr mit Hörbüchern, Musik, Serien, Dokumentationen und Filmen. Auch hier steigen die Zugriffszahlen.

Im Windschatten

Amazon ist nicht das einzige Unternehmen, das momentan profitiert. Insbesondere die Firmen, die bereits seit Jahren auf den Onlinehandel setzen, die ihre Web-Präsenz als wichtiges Standbein verstehen und konsequent ausgebaut haben, freuen sich nun über satte Gewinne. Buchhändler, Elektronikläden, Bastelgeschäfte, Spieleshops und Lieferdienste zählen zu den Gewinnern der Krise.

Von diesem Trend versuchen nun auch andere Unternehmen zu profitieren. Besonders die Einzelhändler in den Innenstädten setzen auf Online-Lösungen. Schon finden sich erste Portale, die als Heilmittel gegen den drohenden Ruin gepriesen werden. Doch in wenigen Wochen aufzuholen, was andere in jahrelanger Arbeit aufgebaut haben, ist utopisch.

Und die Versäumnisse werden Folgen haben. Zahlreiche Einzelhändler werden die Krise nicht überstehen. Diese Erfahrung wird schmerzhaft. Doch es wird auch zu einem Umdenken führen, was den Nutzen der Digitalisierung angeht. Dann profitieren vielleicht alle, wenn auch nur ein wenig.